Marc Wäckerlin
Für eine libertäre Schweiz

Tschüss Postfinance-Datenmissbrauch!

October 5, 2014

Postfinance will all ihre Kunden zwingen, dem Missbrauch ihrer Daten bis zum 12. Oktober 2014 zuzustimmen. Wer das nicht tut, dem wird der Internetzugang zu seinem Postfinancekonto verweigert, er wird ausgesperrt, oder im Orginalton der Postfinance heisst das, wie mir mitgeteilt wurde:

Falls Sie die neuen TNB E-Finance bis spätestens am 30. September 2014 weiterhin nicht akzeptieren, wird PostFinance ihre E-Finance-Teilnahme (E-Finance Vertrag) auf den 12. Oktober 2014 aufheben. Dies hat, wie bereits eingangs erwähnt, zur Folge, dass weitere Dienstleistungen, die nur über E-Finance zugänglich sind, ebenfalls nicht mehr genutzt werden könne. Dies bedeutet insbesondere, dass mit der Aufhebung von E-Finance folgende Massnahmen verbunden sind, vorausgesetzt Sie verfügen über die entsprechenden Dienstleistungen:

  • Ihr Konto kann nicht mehr elektronisch bewirtschaftet werden. Falls Sie weiteren Personen einen Zugriff auf Ihr Konto über Ihr E-Finance ermöglicht haben, wird ein solcher ebenfalls nicht mehr möglich sein.
  • Ein E-Sparkonto wird aufgehoben. Das Guthaben wird gemäss Ihren Anweisungen auf ein anderes Konto transferiert.
  • Depotermächtigungen werden automatisch gelöscht.
  • E-Finance Daueraufträge werden gelöscht.
  • Ein Vorsorgekonto kann nicht mehr elektronisch bewirtschaftet werden. Ein allfälliger E-Finance Dauerauftrag auf das Vorsorgekonto wird ebenfalls gelöscht.
  • Elektronische Kontodokumente können nicht mehr empfangen werden. Sie erhalten die Unterlagen in Papierform. (Monatlicher Kontoauszug und jährlicher Zinsauszug sind gratis, weitere Kontoauszüge [ereignisorientiert] sind gebührenpflichtig.
  • Bei pendenten Einzelzahlungen E-Finance wie bei pendenten elektronischen Zahlungsaufträgen (EZAG) werden Sie kontaktiert, damit diese weitergeführt oder storniert werden können.
  • Das E-Trading wird aufgehoben. Die Wertschriften und der Restsaldo werden gemäss Ihrem Auftrag verkauft bzw. überwiesen.

Wie man sieht mutet die Postfinance ihren Kunden massive Nachteile zu, wenn sich diese nicht erpressen lassen. Dabei sollen die Daten bereits ab dem 12. Oktober 2014 missbraucht werden. Eine Möglichkeit, sich vom Datenmissbrauch abzumelden hingegen soll es erst im April 2015 geben, bis dahin werden die Daten ausgewertet.

Was Postfinance hingegen nicht offen kommuniziert ist, dass es bereits jetzt die Möglichkeit gibt, sich per sofort vom Datenmissbrauch abzumelden, wie der Tagensanzeiger berichtet: Erst auf weitere Nachfrage hin wird eingeräumt, dass es einen Weg gibt, damit Kunden sich von Anfang an von der Datenanalyse ausschliessen lassen können: Von jenen Kundinnen und Kunden, die uns heute schriftlich mitteilen, dass sie keine Angebote von Dritten wünschen, werden wir die Zahlungsverkehrsdaten nicht analysieren und ihnen keine Angebote unterbreiten, heisst es bei Postfinance. Doch den Kunden gegenüber hat Postfinance diese Möglichkeit bis jetzt nicht aktiv kommuniziert.

Musterbrief

Das heisst, Du kannst Dich sofort vom Datenmissbrauch abmelden. Schicke den folgenden Brief per Kontaktformular im E-Finance oder per Briefpost an PostFinance AG, Mingerstrasse 20, 3030 Bern:

Ausschluss von der Datenanalyse

Wie ich aus der Presse erfahren durfte, wird Postfinance in Bälde die Transaktionen ihrer Kunden detailliert erfassen, um aufgrund dieser Daten Angebote von Partnerfirmen zu offerieren. Wie ich ebenfalls aus der Presse erfahren musste, kann ich nur per explizitem Schreiben an die Postfinance rechtzeitig den Missbrauch und die Analyse meiner Daten verhindern, was ich hiermit tue.

Ich bin nicht damit einverstanden, dass meine Aktionen auf E-Finance von Mitte Oktober bis zur Lancierung der eigentlichen Partnerfirmenplattform aufgezeichnet werden und ich möchte, dass meine Bewegungen auch nach der Einführung der neuen Plattform nicht aufgezeichnet und nicht zu Werbezwecken verwendet werden.

Ich bin enttäuscht darüber, dass ich von diesem Projekt aus der Presse erfahre und nicht von meiner Bank. Die Vorgehensweise von Postfinance zur Einführung dieser Plattform unterläuft den gesetzlich verankerten Datenschutz.

Hat sich das Projekt-Management darüber Gedanken gemacht, wie viele Unternehmungen ein Kunde heutzutage kontaktieren müsste, wenn alle Firmen gemäss Vorbild Postfinance den Datenschutz von heute auf morgen nur noch dann gewähren würden, wenn der Kunde den Datenschutz schriftlich einfordert?

Die Tatsache, dass Sie statt einem möglichen freiwilligen Angebot eine verpflichtende Vertragsbedingung einführen, ist kundenfeindlich und verstösst gegen die Grundprinzipien des Datenschutzes. Mit der Vorgehensweise über versteckte Klauseln in allgemeinen Zugangsbedingungen, die Erfahrungsgemäss kaum gelesen werden, versuchen Sie ihre Kunden bewusst zu hintergehen. Von einem Finanzinstitut erwarte ich einen sorgfältigeren Umgang mit Kundendaten. Mein Vertrauen in Ihr Institut schwer angeschlagen.

Ich erwarte von Ihnen die Kenntnisnahme meines Schreibens und eine schriftliche Bestätigung, dass meine Wünsche wahr genommen werden, noch vor dem 14. Oktober 2014.

Diese Briefvorlage entstammt der Vorarbeit in Facebook von Melanie vom Projektsinnfrei. Vielen Dank an Melanie für die Nutzungserlaubnis.

Weitere Musterbriefe:

Weitere Infos zu meinem Kampf gegen den Postfinance-Datenmissbrauch in diesem Blog: https://marc.wäckerlin.ch/konsumentenschutz/datenmissbrauch-bei-der-postfinance

Unterstütze den Kampf gegen den Postfinance-Datenmissbrauch auch auf der Facebookseite «Nein zum Postfinance-Datenmissbrauch» und ziehe Deine Konsequenzen, schicke obigen Brief ab und/oder künde Deine Konten bei der Postfinance!

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