Marc Wäckerlin
Für eine libertäre Schweiz

Preiswerte flexible Multmedia-Lösung

August 1, 2017

Mit einem Raspberry Pi kannst Du Dir ein flexibles Mediencenter zusammenbauen. Interessant sind vor allem die Add-ons für Video-Streams aus dem Internet. Diese sind leider nicht im Standardrepository, daher ist die Installation etwas umständlich. Daher erkläre ich hier das Aufsetzen des gesamten Systems.

Die Installationsanleitung entstand mit OpenELEC 8.0.4 und Kodi 17 Krypton. Alle Kodi Varianten haben Codenamen, wie Helix (v14), Isengard (v15), Jarvis (v16) oder Krypton (v17). Den musst Du später wissen. Tipp: Der Name geht dem Alphabet nach die Versionen hoch.

Bei mir hängt das Raspberry Pi hinten am Fernseher und schaltet sich mit dem Fernseher ein und aus. Die Bedienung geht über die Fernbedienung des Fernsehers:

Mein Raspberry Pi

Hardware

Raspberry Pi 2 oder 3

Ein Raspberry Pi ist ein Minicomputer, der sehr gut geeignet ist, um Medieninhalte aus dem Internet und aus Deinem lokalen Netzwerk an einem Fernseher zu schauen.

Zuerst musst Du entscheiden, ob Du ein Raspberry Pi (Version 1, aber unbedingt Modell B), ein Raspberry Pi 2 oder 3 kaufst. Der grosse Vorteil der Version 3 ist, dass sie WLAN und Bluetooth eingebaut hat. Beim Raspberry Pi 1 und 2 musst Du mindestens WLAN mit einem USB-Adapter nachrüsten, wenn Du kein Netzwerkkabel einstecken willst. Dafür braucht es weniger Strom und kann aus einem USB-Port Deines Fernsehers gespiesen werden. Das hat den Vorteil, dass das Gerät mit Deinem Fernseher zusammen automatisch mit ein- und ausgeschaltet wird. Aus diesem Grund bevorzuge ich noch immer das Raspberry Pi 2. An meinem Fernseher bekommt nur das ältere Modell Raspberry Pi Modell B genug Strom. Es ist von der Leistung her ein wenig schwächer, als das Raspberry Pi 2. Ich hatte damit aber gelegentlich beim Vorspulen Abstürze, wahrscheinlich wegen zu wenig Speicher. Von der Leistung her ist das Raspberry Pi 2 bei mir immer ausreichend gewesen.

Stromversorgung

Wenn oben rects ein gelber Blitz oder bei älteren Versionen ein Farbfeld aufflimmert, oder gar permanent leuchtet, dann hat Dein Raspberry Pi zuwenig Strom und Du musst einen stärkeren Stromadapter anschliessen.

Für das Raspberry Pi Modell B reicht bei mir die Stromversorgung aus dem Fernseher, für das Raspberry Pi 2 reicht die aus dem AV-Netzwerk-Receiver vom Beamer. Beim Raspberry Pi 3 muss es meines Wissens eine stärkere Stromquelle sein.

Stückliste

Du hast nun also drei empfohlene Varianten:

  1. Raspberry Pi
    • Raspberry Pi (Model B)
    • Optional: Passendes Gehäuse
    • Micro-SD-Karte, ab ca. 1GB (Speicherbedarf ca. ½GB)
      Das ganz alte Raspberry Pi 1 ist das einzige, das noch normal grosse SD-Karten benötigt. Prüfe bei Deiner Bestellung genau, welche Version Du benötigst.
    • Passender USB WLAN Adapter (frage den Verkäufer zur Kompatibilität mit Raspberry Pi und OpenELEC)
    • HDMI-Kabel
    • Micro-USB Ladekabel
    • Stromversorgung
      • entweder USB Stromadapter
      • oder einen Fernseher mit USB Ausgang
  2. Raspberry Pi 2
    • Raspberry Pi 2
    • Optional: Passendes Gehäuse
    • Micro-SD-Karte, ab ca. 1GB (Speicherbeedarf ca. ½GB)
    • Passender USB WLAN Adapter (frage den Verkäufer zur Kompatibilität mit Raspberry Pi und OpenELEC)
    • HDMI-Kabel
    • Micro-USB Ladekabel
    • Stromversorgung
      • entweder USB Stromadapter
      • oder einen Fernseher mit USB Ausgang
  3. Raspberry Pi 3
    • Raspberry Pi 3
    • Optional: Passendes Gehäuse
    • Micro-SD-Karte, ab ca. 1GB (Speicherbeedarf ca. ½GB)
    • HDMI-Kabel
    • Micro-USB Ladekabel mit USB Stromadapter

In der Schweiz bekommst Du das alles z.B. bei https://digitec.ch oder https://pi-shop.ch.

Betriebssystem

Installation

Die Originaldokumentation für den Download findest Du unter http://wiki.openelec.tv/index.php/Raspberry_Pi, die für das Kopieren auf die Micro-SD-Karte unter http://wiki.openelec.tv/index.php/HOW-TO:Installing_OpenELEC/Writing_The_Disk_Image. Oder folge einfach meinen Anweisungen für Linux:

Lade das aktuelle OpenELEC Image für das Raspberry Pi 2 und 3 von http://openelec.tv/get-openelec. Suche die Version für «Raspberry Pi2 and Raspberry Pi3 Second-Generation quad core models (Model B 1024MB)» und wähle den Link für «[Stable]» und «Disk image».

Du erhältst eine *.img.gz-Datei. Diese musst Du auf die Micro-SD-Karte installieren. Das geht unter Ubuntu wie folgt:

  • Stecke die Micro-SD-Karte in den Computer (eventuell brauchst Du dafür einen Adapter)
  • Finde heraus, wie das Gerät heisst. In der Regel ist das /dev/sdb wenn Du eine Harddisk hast (die ist dann analog /dev/sda). Du kannst es herausfinden, indem Du während dem Einstecken der Micro-SD-Karte das folgende Kommando laufen lässt: tail -f /var/log/syslog
  • Packe das Image mit gunzip aus, z.B.: gunzip OpenELEC-RPi2.arm-8.0.4.img.gz
  • Kopiere das Image mit dd auf die Micro-SD-Karte. Achtung Gefahr: Alle Daten auf dem Zielgerät werden überschrieben. Wenn Du aus Versehen eine andere Harddisk erwischst, ist sie gelöscht. Angenommen die Micro-SD-Karte ist wie bei mir die 3. Harddisk auf /dev/sdc, lautet das Kommando: sudo dd if=OpenELEC-RPi2.arm-8.0.4.img of=/dev/sdc bs=500M (bs steht für Blocksize und beschleunigt den Kopiervorgang).

Steuerung

Zur Steuerung kannst Du einfach Deine TV-Fernbedienung verwenden, die über HDMI an das Raspberry Pi weitergeleitet wird. Wenn das nicht reicht, gibt es zur Fernsteuerung eine Android App namens Kore in Google Play und auf F-Droid. Der grosse Vorteil dieser App gegenüber der TV-Fernbedienung ist, dass man über das Menu oben rechts direkt «Text zum Media Center senden» kann. Ausserdem kannst Du dann aus anderen Apps Medienstreams teilen, «Mit Kodi abspielen», und so vom Handy an den Fernseher senden.

Du kannst auch eine normale Tastatur oder Maus anschliessen, entweder über USB, oder über Bluetooth (bei Raspberry Pi 3 eingebaut, beim Raspberry Pi 2 brauchst Du einen passenden USB-Bluetooth-Adapter).

Konfiguration

Stecke nun die Micro-SD-Karte in Dein Raspberry Pi, schliesse das HDMI-Kabel und die Micro-USB-Stromversorgung an. Wenn es nicht startet, prüfe alle Kabelverbindungen und die Stromquelle. Möglicherweise hast Du auch das falsche Image installiert, unterscheide zwischen dem für das Raspberry Pi 1 und 2, und dem für die Version 3. Kopiere das Image nochmals auf die Micro-SD-Karte.

Das Gerät startet, am angeschlossenen Bildschirm (Fernseher, Beamer) kannst Du es mitverfolgen und mit der Fernsteuerung kannst Du steuern. Beim Start zeigt es auch den Codenamen der Kodi-Version an, z.B. «Krypton». Den musst Du Dir für später merken.

Es folgt ein einfacher Wizard, den Du durch gehen kannst. Wichtig ist, dass Du das Netzwerk konfigurierst. Diese Einstellungen kannst Du später unter den OpenELEC-Einstellungen wieder ändern.

Nach dem Wizard bist Du im Hauptmenu. Auf der obersten Reihe links siehst Du die Menüs für Ausschalten, Einstellungen und Suche. Darunter die Inhalte.

Add-ons

Es gibt viele interessante Add-ons. In der Deutschschweiz sind das vor allem:

  • xStream
    Schaue deutsche Videostreams, Filme und Serien, aus allen möglichen Quellen
  • Zattoo oder Teleboy
    Schaue Fernsehen
  • SRF Play
    Mediathek des Schweizer Fernsehens
  • Youtube
    Schaue Youtube Videos
  • … → Was sind Deine Favoriten?

Repository

Ein Repository ist ein Softwarearchiv, aus dem Du alle benötigten Add-ons installeren kannst. OpenELEC hat bereits eines installiert, aber die meisten interessanten Add-ons sind nicht dabei.

Daher solltest Du das Superrepository installieren. Um zugreifen zu können, musst Du erst den Zugriff auf die Webseite konfigurieren:

  • Im Hauptmenu links wähle oben Mitte auf das Zahnrad für die Einstellungen.
  • Wähle in den Einstellungen «File manager»
  • Wähle «Add source»
  • Wähle rechts «Browse»
  • Wähle «Add network location…» ganz unten
  • Protokoll: «Web server directory (HTTP)» (zweimal Pfeil nach oben)
  • Gib ein bei «Server address»: srp.nu
  • Wähle «OK», nochmals «OK», dann gehe raus mit «cancel»
  • Drücke zweimal die «back» oder «return» oder «zurück» Taste der Fernbedienung, um ins Hauptmenu zurück zu gelangen.

Nun kannst Du das neue Repository aus dieser Webseite installieren:

  • Im Hauptmenu wähle «Add-ons»
  • Wähle im Add-on-Menu links oben die Schachtel ganz links
  • Wähle «Install from zip-file»
    • Wenn eine Fehlermeldung kommt: «Disabled: For security, installation of add-ons from unknown source is disabled.»
    • Wähle «Settings»
    • Schalte «Unknown sources» ein und bestätige mit «Yes»
    • Gehe einmal zurück und wähle wieder «Install from zip-file»
  • Wähle http://srp.nu:80/
  • Hier musst Du nun den Namen Deiner Kodi-Version wissen, z.B. «Krypton». Wähle Deine Kodi-Version.
  • Wähle «all»
  • Wähle die *.zip-Datei.
  • Nun wird das ganze Superrepository als Quelle installiert. Danach dauert es eine Weile, bis das System wieder richtig reagiert. Sei etwas geduldig.

URL Resolver Fehler

Leider gibt es im Sommer 2017 auf Kodi 17 Krypton im Superrepository ein noch immer nicht behobenes Problem mit dem UrlResolver. Darum kommt eine Fehlermeldung, wenn Du xStream installierst.

Lösung:

  • Gehe wieder im Hauptmenu zu den Einstellungen, dann auf «File manager» und füge analog oben folgende Quelle hinzu:
    • Wähle wieder «Add network location…» ganz unten
    • Protokoll: «Web server directory (HTTPS)» (einmal Pfeil nach oben)
    • Gib ein bei «Server address»: ftp.acc.umu.se
    • Gib ein bei «Remote path»: mirror/addons.superrepo.org/v7/addons/script.module.urlresolver
    • Wähle wieder zweimal «OK», dann gehe zurück zum Hauptmenu
  • Installiere nun das Add-on UrlResolver:
    • Im Hauptmenu wähle «Add-ons»
    • Wähle im Add-on-Menu links oben die Schachtel ganz links
    • Wähle «Install from zip-file»
    • Wähle https://ftp.acc.umu.se:443/mirror/addons.superrepo.org/v7/addons/script.module.urlresolver
    • Wähle die neueste Version des UrlResolver ganz unten.

Jetzt bist Du bereit, xStream und die anderen Add-ons zu installieren.

Installation eines Add-ons

  • Im Hauptmenu wähle «Add-ons»
  • Wähle im Add-on-Menu links oben die Schachtel ganz links
  • Wähle «Search»
  • Gib ein: «xstream»
    Sollte nichts angezeigt werden, dann wiederhole die Suche nach ein paar (oder auch vielen) Minuten. Vieles läuft im Hintergrund ab und ist offenbar noch nicht bereit.
  • xStream ist eine Medienquelle, darum wähle «Media sources – xStream»
  • Wähle «Install»
  • Schau genau hin und achte auf Fehler. Am Ende sollte «xStream installed» kommen. Nun hat der Menupunkt ein Häckchen.

Mit den anderen Add-ons verfahre analog.

Spass

Nun geht es los. Im Hauptmenu, gehe auf «Add-ons» und wähle rechts «xStream».

Konfiguriere in «General»: «Auto-Update source» auf «Stable», schalte «Show centralized Settings» ein, setze «Hoster selection» auf «Auto», setze «Preferred language» auf «German» und schalte «Show XXX-Content for adult users» ein.

Schalte in «Site plugins» sämtliche plugins ein, dann schliesse die Konfguration mit «OK» ab. Beim ersten Mal siehst Du die Serverliste noch nicht, aber die globale Suche ist schon da.

Allfällige Fehlermeldungen kannst Du einfach mit «OK» quittieren. Wenn es auf einer Seite nicht geht, geht es auf einer anderen. Es hat immer ein paar Seiten, die gerade mal nicht funktionieren. Dafür hast Du ja eben das automatische Update eingeschaltet. Aber bei so vielen Quellen findest Du meistens, was Du suchst.

Wähle «Globale Suche» und gibt den Namen Deines Wunschfilms ein, z.B. «pulp fiction» und warte die Suche ab. Wähle nun aus dem Angebot der Anbieter eine Version aus und starte Dein Vergnügen!

Weiter…

Mehr wird folgen, z.B. Installation eines zentralen Medienservers im lokalen Netz, oder Tipps und Tricks. Komm einfach von Zeit zu Zeit wieder hier vorbei.

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